Die Rede unserer Fraktionsvorsitzenden Dr. Bärbel Neuer-Markmann zur Entscheidung über die Vergabe der Konzessionsverträge an Eon (es gilt das gesprochene Wort) in der Sitzung der Gemeindevertretung am 31.10.2006:
"Das Thema  Neuvergabe der Konzessionsverträge hat bei  uns Schönecker Grünen so viele Emotionen frei gesetzt, wie schon lange nichts mehr. Liegen doch unsere Wurzeln vielfach in dem Widerstand gegen die Atomenergie.
Gegen die Vergabe an EON spricht viel:
  • Erstens setzt EON in der Energiegewinnung vor Allem auf diese Energieform. Klickt man auf die homepage dieses Konzerns, wird auch gleich darüber informiert, dass Kernenergie auch heute noch die Basis der Stromerzeugung von Eon ist. 34 % Kernenergie und ca.10 % erneuerbare Energie, worunter fast ausschließlich Wasserkraft zu verstehen ist. Plakative Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Biomasse, Sonnen- oder Windenergie stellen dabei sicher, dass E.ON Energie dennoch Deutschlands größter Erzeuger von Strom aus regenerativen Energiequellen ist, allerdings macht dieser dann trotzdem nur einen Anteil der sich an Promille misst an der gesamten Produktion aus.  Es besteht die Absichtserklärung, diesen Anteil durch Forschung und Entwicklung auch weiterhin auszubauen.  
  • Zweitens ist EON einer der größten Energiekonzerne mit weiteren Wachstumsambitionen und Bündnis 90/Die Grünen setzen vehement auf dezentrale Energieversorgung.
  • Drittens setzt EON – zusammen mit den anderen drei großen Energieversorgungsunternehmen RWE, Vattenfall und EnBW –seine Marktmacht und seine Vernetzung in die Politik fast schon traditionell ein, um Wege in eine nachhaltige Energieversorgung zu blockieren oder zumindest zu verwässern oder zu verzögern. Beispiele dafür sind das Erneuerbare Energiengesetz EEG, die ökologische Steuerreform, der Handel mit Emissionszertifikaten oder der Atomausstieg.
graphic
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: die Plakataktion von Eon veranschaulicht die Probleme, die wir trotz der für Schöneck attraktiven Bedingungen mit der Entscheidung für den Konzern Eon haben.
Entsprechend war auch unisono unsere Haltung beim Eintritt in die Verhandlungen mit potentiellen Bewerbern. Mit OVAG und EON standen nur 2 Bewerber zur Wahl, unser Favorit war eindeutig die OVAG.
Der Hindernislauf begann:
  • Wir suchten Gespräche mit beiden Bietern, auch um in klaren Worten unsere Position darzulegen.
  • Im Haupt- und Finanzausschuss stellten sowohl OVAG, als auch EON ihr Gesamtpaket an Leistungen vor. EON überzeugte nicht nur mit umfangreicher Kenntnis der örtlichen Voraussetzungen, sondern bot auch zur Wartung der Straßenbeleuchtung deutlich bessere Konditionen an. (OVAG: ¼ jährlicher Turnus durch eigene Servicekräfte, EON bei Bedarf durch örtliche Handwerker)
In unseren Sitzungen begannen wir abzuwägen. Zum Beispiel bietet EON Konzepte an, die Energieeinsparung fördern, von der Energieberatung, bis hin zur finanziellen Unterstützung energiesparender Maßnahmen. Wir suchten erneut das Gespräch, parallel wurde ein weiterer Ausschusstermin anberaumt, in dem beide Bewerber noch einmal mit Daten für Fragen zur Verfügung standen. Es stellte sich heraus, dass die im Interesse der Gemeinde liegende, verwaltungstechnischen Gründen entspringende Vorgabe, das Stromnetz künftig nur durch einen Betreiber bewirtschaften zu lassen nur EON konkurrenzfähig erfüllen konnte.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns in jeder Fraktionssitzung die Köpfe heiß geredet und das Für und Wider abgewogen. Gesamtpolitisch gesehen ist Eon als Konzern, der nicht nur Atomstrom erzeugt und vertreibt, sondern auch am Bau von AKW in anderen Ländern beteiligt ist, für Grüne kaum akzeptabel.  Umweltverbände und kirchliche Gruppierungen rufen sogar zum Boykott des Stroms unserer 4 großen deutschen Energiekonzerne auf, da anzunehmen ist, dass der Vorstoß der RWE hier in Deutschland den Ausstieg aus der Kernkraft zu unterlaufen, eine abgekartete Sache ist.
Andererseits ist das Angebot, das EON-Mitte der Kommune unterbreitet, so attraktiv, dass aus der kommunalen Perspektive heraus zugestimmt werden kann, und das wird sicher die Mehrheit des Parlamentes tun.
Zu beachten ist auch das Gesamtpaket mit den angebotenen Anreizen zum  Energiesparen. Sicher ist die Rot-Grüne Koalition im Rathaus mit ein Grund für EON, sich hier in Schöneck über die innovativen Maßnahmen in Sachen regenerativer Energien und  Energieeinsparung zu präsentieren. Ebenso sicher ist aber auch, dass sich die Konzernoberen in München einen feuchten Kehricht darum scheren, was hier in Schöneck passiert. Andererseits wäre es ja möglich, dass von Schöneck beispielhafte Anstöße ausgehen. Es werden  in anderen Kommunen Konzessionen neu verhandelt. Wenn es Standard würde, dass der Blick auf und die Unterstützung von energiesparenden Maßnahmen ein Wettbewerbsvorteil sind, dann wäre es doch möglich, in kleinen Schritten bis hin zur Vorstandsetage das Bewusstsein der Entscheider zu ändern.
Diese Hoffnung habe zum Beispiel ich. Ich schiebe daher meine nach wie vor großen Bedenken dem Gesamtkonzern gegenüber beiseite, werde heute Abend ganz bewusst zustimmen und mein Gewissen beruhigen, indem ich endlich von EON-Mitte zu einem Anbieter von grünem Strom wechsle und meinen Strom fürderhin aus regenerativen Energien beziehe. Andere Fraktionskollegen haben große Erwartungen an die Wirksamkeit des avisierten lokalen Energieforums: in Verbindung mit politisch zu entscheidenden, flankierenden Maßnahmen – wie einem Team-Energiesparwettbewerb – kann der Stromverbrauch in Schöneck drastisch reduziert werden.
So hat jeder meiner Fraktionskollegen seine eigene politische Entscheidung getroffen und zwar - wie es sein soll - nach bestem Wissen und Gewissen, aus den unterschiedlichsten Gewichtungen der oben aufgeführten Aspekte heraus."