Finanzen: Die eigene Verantwortung ernst nehmen
Die Haushaltslage der Gemeinde Schöneck muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt als äußerst
kritisch angesehen werden. Hier befindet sich die Gemeinde in bester Gesellschaft mit anderen
Kommunen. Es erscheint kaum vorstellbar, wie es unserer Gemeinde aus eigener Kraft gelingen
kann, ihren Haushalt zu sanieren.
Auf der anderen Seite muss aber zur Kenntnis genommen werden, dass auch die finanzielle
Handlungsfähigkeit anderer politischer Ebenen (Kreis, Land und Bund) bereits beschränkt ist und
gegenwärtig trotz der grundgesetzlich eingeführten Schuldenbremse (für den Bundeshaushalt) der
Weg zum Schuldenabbau noch gar nicht vorgezeichnet ist. Insofern ist von dort wohl kaum mit
gravierenden finanziellen Hilfen zu rechnen.
Deshalb müssen die Sparmöglichkeiten in unserem unmittelbaren Handlungsspektrum
ausgeschöpft werden. Hier müssen die Effizienz der Verwaltung gesteigert und die gemeindlichen
Leistungen und unsere Investitionstätigkeit auf den Prüfstand gestellt werden. Die Gemeinde muss
ihre Rolle im Zuständigkeitsgeflecht der Gebietskörperschaften hinterfragen: Welche Aufgaben
können am besten und effizientesten vom Kreis, von Städten und Gemeinden, vom
Regierungspräsidium oder vom Land übernommen werden? Wir als gewählte Vertreter der
Gemeinde müssen aber auch unsere Stimme erheben, wenn uns von Bund, Land oder Kreis im
Zuge der Umlagen die notwendigsten Mittel entzogen werden. Bündnis 90 / Die Grünen werden all
diese Handlungsstränge verfolgen.
Im vorliegenden Wahlprogramm präsentieren Bündnis 90 / Die Grünen einige wenige Vorhaben, die
auch Geld kosten werden. Angesichts der Haushaltslage ist aber absehbar, dass sämtliche
investiven Maßnahmen unter dem Vorbehalt der Finanzierung gesehen werden müssen.
Ziel grüner Politik für die kommenden 5 Jahre 2011-2016 wird die Reduzierung der
Verbindlichkeiten aus Kreditaufnahmen von derzeit (Jahresende 2010 prognostiziert) knapp 14
Millionen € auf 11 Millionen € sein. Ein weiteres sehr ehrgeiziges Ziel grüner Finanzpolitik in
Schöneck wird in den Jahren 2011 bis 2016 die Vorlage von in der Einnahme und Ausgabe
ausgeglichenen Ergebnishaushalten sein.
Die Gemeinde Schöneck im vernetzten öffentlichen Finanzsystem: Finanzierung
sicherstellen
Die Gemeinden haben kaum eigene Gestaltungsmöglichkeiten auf der Einnahmenseite. Sie sind
zu großen Teilen abhängig von ihren Anteilen an der Einkommensteuer und von
Schlüsselzuweisungen. Über die Hebesetze für Gewerbe- und Grundsteuer haben sie zum Teil
eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Die eigenen Handlungsspielräume sind insgesamt gering, die
Abhängigkeit von Entscheidungen in Bund und Land groß. Zur Wiederherstellung der finanziellen
Handlungsfähigkeit ist es daher wichtig, die Interessen der Kommunen gegenüber Bund und Land
zu vertreten.
Bündnis 90 / Die Grünen setzen sich deshalb auf überörtlicher Ebene ein:
- für eine Gemeindefinanzreform mit Weiterentwicklung der Gewerbesteuer zur kommunalen
Wirtschaftssteuer durch Einbeziehung aller Wirtschaftsakteure (z.B. auch Freiberufler) und
durch Verstetigung des Aufkommens durch gewinnunabhängige Elemente,
- für eine stärkere Beteiligung des Bundes und des Landes an den wachsenden
Sozialausgaben,
- für die Einhaltung des Konnexitätsprinzips, das besagt, dass Bund und Land die
finanziellen Mittel zur Verfügung stellen müssen, wenn sie Gesetze verabschieden, die für
die Kommunen Kosten verursachen,
- gegen die vom Land Hessen geplante Kürzung des kommunalen Finanzausgleichs.
Die Gemeinde Schöneck als Verwaltungseinheit und Dienstleister: Intelligent sparen
Vielfach strapaziert sind Begriffe wie "intelligentes Sparen", "Nutzung von Synergien",
"Effizienzsteigerung". Keine Partei wird sich auf dieser Abstraktionsebene ernsthaft gegen solche
Zielsetzungen wehren. Anders sieht es häufig aus, wenn es konkret wird. Doch welches sind die
konkreten Ideen, um die Begriffe mit Leben zu füllen, um die Ziele tatsächlich zu erreichen?
Bündnis 90 / Die Grünen haben hier genaue Vorstellungen. Und das Beste: Einige dieser Ideen
sparen nicht nur Geld, sondern haben auch positive Nebenwirkungen. Oder anders gesagt: Viele
grüne Forderungen haben auch positive finanzielle Nebeneffekte. Bündnis 90 / Die Grünen werden
sich einsetzen für:
- Einrichtung eines betrieblichen Vorschlagswesens in der Verwaltung: Effizienz lässt sich
schwerlich von oben verordnen. Keiner kennt die Schwächen und Ineffizienzen in den
Verwaltungsabläufen besser als die Angestellten selbst. Was sich in der Wirtschaft
vielfach bewährt hat, soll auch in der Verwaltung eingeführt werden. Die Mitarbeiter sollen
auch monetär motiviert werden, ihre Verbesserungsideen einzubringen und umzusetzen.
- Ganztagsschulen statt Hort-Angebote: Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch
bei Kindern im Grundschulalter zu ermöglichen, springt heute die Gemeinde durch
hochsubventionierte Bereitstellung von Hortplätzen ein. Dadurch werden z.T. doppelte
räumliche und administrative Infrastrukturen unterhalten. Besser wäre es, wenn der Kreis
als Schulträger Angebote für Ganztagsschulen schaffen würde. Diese sind in Summe
durch die Abschaffung der Doppel- Infrastrukturen teilweise nicht nur kostengünstiger,
sondern ermöglichen durch die Integration in die Schule auch bessere pädagogische
Ansätze über die reine Betreuung hinaus.
- Verbinden von finanzieller Konsolidierung mit Innovationen: Beispielsweise durch
verbessertes Energiemanagement, Carsharing, Abfallvermeidung, Erwerb langlebiger sowie
reparaturfähiger Produkte.
- Dienstleistungen auf den Prüfstand: Alle Leistungen und Dienstleistungen der Gemeinde
müssen auf ihre Notwendigkeit und Zukunftsfähigkeit hin überprüft werden. Für alle
Bereiche muss abschätzbar gemacht werden, welche Spielräume zur Leistungsreduktion
kurz-, mittel- und langfristig bestehen.
- Investitionen auf den Prüfstand: Während Investitionen in der Wirtschaft in der Regel mit
der Zielsetzung steigender Erträge oder sinkender Kosten getätigt werden, ziehen
Investitionen der öffentlichen Hand häufig erhebliche Folgekosten nach sich. Dies können
wir uns nicht länger leisten. Die Gemeinde soll deshalb künftig nur noch in Projekte
investieren, die entweder nachweislich kostensenkend wirken oder wichtige
Zukunftsthemen wie Jugend/Sozialpolitik oder Klimaschutz betreffen.
- Der Bedarfsentwicklungsplan der gemeindlichen freiwilligen Feuerwehr muss aktualisiert
werden.
- Interkommunale Zusammenarbeiten: Wir sehen ein hohes, noch unzureichend
ausgeschöpftes Potential in der interkommunalen Zusammenarbeit. Die gemeinsame
Nutzung personeller und materieller Ressourcen (Verwaltungsaufgaben, Bauhöfe, Geräte,
…) bietet weitreichende Möglichkeiten.
- Langfristig kann die Zusammenlegung mit einer der Nachbarkommunen erhebliche
Einsparungen mit sich bringen.
Die Einnahmen der Gemeinde Schöneck: Den Bürgern reinen Wein einschenken und
unvermeidbare Belastungen zumuten
Neben den beschriebenen Sparanstrengungen kann auch eine Erhöhung der von der
Kommunalpolitik beeinflussbaren Einnahmen in der Zukunft nicht vermieden werden. Hierzu werden
folgende Maßnahmen vorgeschlagen:
- Die Deckungsgrade der Gebührenhaushalte (Friedhof, Kindertagesstätten) müssen auf den
Prüfstand und gegebenenfalls angepasst werden.
- Die Nutzungsentgelte der gemeindlichen Liegenschaften müssen so gestaltet sein, dass
zumindest die laufenden Bewirtschaftungskosten einer Immobile gedeckt sind.
- Erhöhung Grundsteuerhebesatz: Durch eine Erhöhung des Hebesatzes von 310 % auf 350
% kann die Gemeinde jährliche Mehreinnahmen von ca. 150.000 Euro erzielen. Die
durchschnittliche Zusatzbelastung pro Haushalt beträgt ca. 30 Euro.