Erfahrungsbericht eines Stromsparers
Als jahrelanger, vermeintlicher Öko bildete ich mir ein, schon recht vernünftig mit den natürlichen Ressourcen, u.a. mit Strom umzugehen. Natürlich hatte sich in meinem häuslichen Umfeld in den vergangenen Jahren einiges erfreuliches geändert: die Geburt meiner beiden Töchter und der Umzug in das neue Heim. Zudem wollte ich mich als Mit-Initiator natürlich auch selbst dem Experiment „Stromsparwettbewerb“ stellen. Schon der Auftakt war einerseits erschreckend, stimmte andererseits aber auch hoffnungsvoll. Erschreckend weil unser Stromverbrauch mit 3.309 kWh für vier Personen laut Vergleichstabelle irgendwo in der Mitte zwischen „Durchschnitt“ (4.290 kWh) und  „wirklich sparsam“ (2.150 kWh) lag. Hoffnungsvoll deswegen, weil das bedeutete, dass wir wirklich etwas einsparen konnten. Also machte ich mich frisch ans Werk: zunächst eine Excel- Tabelle mit allen als wesentlich verdächtigten Strom-Verbrauchern angelegt, Strommessgerät aus den Umzugskartons herausgekramt, dann die Verbräuche gemessen und auf Jahresverbräuche hochgerechnet.

Die bekannten und heimlichen Stromfresser: in der Waschküche ...
Keine große Überraschung war, dass der Wäschetrockner mit hochgerechneten 712 kWh oder 119 Euro pro Jahr einer unserer größten Stromfresser war. Da unser Wäschebedarf mit den zwei Kindern stark angewachsen war, unser Kellerraum sich nicht gerade als Turbo-Trockner erwies und die Wäsche z.T. solange zum Trocknen brauchte, dass wir sie müffelnd von der Leine nehmen mussten, blieb der Wäschetrockner zunächst aber unangetastet. Doch dazu später mehr ...
Überraschend war in der Waschküche schon eher, dass unsere neue, supersparsame Miele- Waschmaschine mit Warmwasseranschluss eine Standby-Leistung von 8 Watt aufwies, ohne dass sie dies in Form eines leuchtenden Lämpchens o.ä. zu erkennen gab. 8 Watt Standby-Leistung summieren sich im Jahr auf immerhin 70 kWh oder 12 Euro. Dem war mit einer Investition in Höhe von 4 Euro für eine schaltbare Steckdosenleiste leicht beizukommen.
... in der Küche ...
Nicht gerechnet hatte ich auch mit dem hohen Verbrauch unserer Geschirrspülmaschine, die sich bei 65° C Spültemperatur 1,36 kWh pro Spülgang gönnt. Ich ärgerte mich, dass ich beim Hausbau den Warmwasseranschluss eingespart hatte, weil ich der Meinung war, ich könnte die Spülmaschine nicht an Warmwasser anschließen. Nachlesen im Internet belehrte mich nun eines Besseren. Also ließ ich für 97 Euro den Warmwasseranschluss nachrüsten – zusammen mit einem zweiten Warmwasseranschluss in der Waschküche, so dass wir dort nun erst mal 4- 5 Liter kaltes Vorlaufwasser ablassen können und die Wäsche direkt mit Warmwasser begonnen werden kann. Der Warmwasseranschluss der Spülmaschine reduziert den Stromverbrauch pro Spülgang nun um 0,5 kWh. Das macht im Jahr 172 kWh oder 29 Euro. Der Auftrag für den Warmwasseranschluss ging übrigens an einen lokalen Handwerksbetrieb: Energie sparen fördert lokale Wirtschaft und lokale Arbeitsplätze!
Beliebt geworden waren bei uns Aufbackbrötchen oder Aufbackbrezeln von Aldi, die wir uns wenigstens einmal pro Woche gönnten. Ein Blick auf die Bedienungsanleitung des Backofens offenbarte, dass allein für das Aufheizens des Backofens auf 200° C 0,5 kWh benötigt werden. Nun kaufen wir die Brezeln wieder öfter beim Büdesheimer Bäcker, unterstützen damit die lokale Wirtschaft und sparen ca. 29 kWh pro Jahr.
... im Wohnzimmer ...
In unserer HiFi-Ecke hatten wir schon von jeher darauf geachtet, den Fernseher ganz auszuschalten und nicht auf Standby zu belassen. Doch die Messung zeigte, dass die Stereoanlage und der neue DVB-T Receiver eine Standby- Leistung von jeweils 3 Watt benötigen. Die neu beschaffte, schaltbare Steckdosenleiste im Wert von 4 Euro spart damit pro Jahr 51 kWh oder 9 Euro. Kleiner Wermutstropfen: der DVB-T Receiver braucht nun nach dem Einschalten ca. 1 Minute, bis er betriebsbereit ist, was aber leicht verschmerzbar ist.
... im Arbeitszimmer ...
Im Arbeitszimmer hatte sich über die Jahre ein anschaulicher Zoo von Bürogeräten angesammelt. Hinzu kam jüngst der Heimarbeitsplatz meiner Frau. Die Standby-Leistung privater und dienstlicher PCs, Drucker, Telefone und sonstiger Kommunikationseinrichtungen  summiert sich auf ca. 50 Watt. Jetzt dürfen nur noch ein Telefon und unsere FritzBox, die wir für Internet-Telefonie benötigen, ständig online bleiben, der Rest wird über die Steckdosenleiste abgeschaltet. Der Einspareffekt beträgt pro Jahr 322 kWh oder 54 Euro.
... und im Flur
Den Beleuchtungsbereich habe ich noch nicht konsequent in Angriff genommen, wir achten allerdings noch mehr darauf, z.B. im Flur das Licht auszuschalten, wenn wir es nicht benötigen. Eine Überlegung wäre hier ein Bewegungsmelder oder eine automatische Ausschaltung nach z.B. einer Minute. Das wird das nächste Projekt ...

Theorie und Praxis des Stromsparens oder: Wohlfühlübungen in der Waschküche
Wie eingangs erwähnt, war der Wäschetrockner unser größter Einzelverbraucher. Wirklich sparsame Geräte gibt es hier am Markt noch nicht, also mussten Überlegungen angestellt werden, wie die Trocknung der Wäsche im Keller beschleunigt werden kann, ohne uns zuviel zusätzliche Arbeit aufzuhalsen. Zwei neue Konstrukte helfen uns dabei nun. Ein Ventilator schaltet sich über eine einfache Zeitschaltuhr einmal pro Stunde für eine viertel Stunde ein, wirbelt die Wäsche etwas durch und pustet die feuchte Luft zwischen den Wäschestücken heraus. Das nervige Aufhängen von Kleinstteilen wie Waschlappen habe ich durch einen selbstgebauten „Waschlappentrockenständer“ etwas vereinfacht. Was noch fehlt, ist eine Lösung für die automatische Belüftung des Kellerraums, was bei uns heute sporadisch von Hand erfolgt. Alles in allem noch lange keine perfekte Lösung. Doch fühle ich mich wohl dabei, etwas mehr Zeit beim Wäscheaufhängen zu investieren, als 700 kWh pro Jahr für den Wäschetrockner zu verbrauchen. Meine Frau schickt mich seither öfters mal zu Wohlfühlübungen in den Wäschekeller ...

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Trockner light I: Der automatisch schwenkende 30 Watt- Ventilator schaltet sich über die Zeitschaltuhr für 15 Minuten pro Stunde ein. Investition: zusammen 25 Euro.
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Trockner light II: Schnell aufgehängt, schnell getrocknet und blitzartig abgehängt und zusammengelegt. Schneller als die Wäscheleine. Nur der Trockner 0 ist noch schneller. Investition: 5 Euro.

In der Regel ist die Wäsche nach 24 Stunden trocken. Der Trockner läuft nur noch in Notfällen, wenn es mal besonders schnell gehen muss. Mit einer Investition von 30 Euro sparen wir so ca. 622 kWh oder 104 Euro pro Jahr. Für die automatische Entlüftung des Kellerraums muss ich noch etwas überlegen. Beim nächsten Haus würde ich jedenfalls von Anfang an darauf achten!

Erfolge der Einsparbemühungen
Wenn ich mich nicht verrechnet oder vermessen habe, dann müsste sich unser Stromverbrauch künftig wie folgt darstellen:
 
 
kWh / Jahr
Euro
Investition
Verbrauch alt
3.309
553
 
 
Einsparungen
 
 
 
 
 
 
Schaltbare Steckdosenleiste Waschmaschine
70
12
4
Trocknerersatz
622
104
25
Spülmaschine an Warmwasseranschluss
172
29
97
Brötchen vom Bäcker statt Aufbackbrötchen
29
5
 
 
Schaltbare Steckdosenleiste HiFi-Ecke
51
9
4
Schaltbare Steckdosenleiste Arbeitszimmer
322
54
4
Summe Einsparungen
1.266
211
134
Verbrauch neu
2.043
341
 
 

Der Einspareffekt beträgt somit ca. 38 Prozent. Von der Größenordnung her kommt das ungefähr hin. Lt. Stromzähler haben wir derzeit einen durchschnittlichen Tagesverbrauch von 6 kWh. Hochgerechnet auf das Jahr (abzüglich Urlaub) ergibt das ca. 2.100 kWh. Abgesehen vom Verzicht auf den Trockner spüren wir keinerlei Komfortverlust. Doch auch der Trocknerverzicht beeinträchtigt unsere Lebensqualität nicht wesentlich.

Sparen für die Kinder
Um unsere Motivation zum Stromsparen nachhaltig sicherzustellen, haben wir beschlossen, das eingesparte Geld zusätzlich auf die Sparverträge unserer Kinder einzuzahlen. Die können sich so über jährliche Sparbeiträge von 211 Euro freuen - Tendenz steigend bei steigenden Strompreisen.

Wolfgang Seifried